Für den 13. Juni 2026 hatte Dino Carpinone als Einzelperson zu einem Gegenprotest gegen den Christopher Street Day (CSD) in Pforzheim aufgerufen. Er trat dabei sowohl als Organisator als auch als Anmelder der Versammlung auf. Dem Aufruf folgten rund 40 Neonazis, die teilweise aus anderen Regionen Deutschlands anreisten.
Ein Jahr zuvor, am 14. Juni 2025, hatte der Pforzheimer Neonazi noch rund 80 Personen zu einem vergleichbaren Gegenprotest mobilisieren können. Damals war er Mitglied der Neonaziclique Der Störtrupp (DST). Nachdem Gerüchte aufgekommen waren, Carpinone habe seine Partnerin geschlagen, wurde er aus der Gruppe ausgeschlossen. Trotz dieser Vorwürfe beteiligten sich sowohl aktive als auch ehemalige DST-Mitglieder an der Demonstration.
Aus dem Brandenburger Umland Berlins reisten Darius Buchholz und Tim Hofmann an. Beide gehören der militant-neonazistischen Gruppe Jägertruppe an und versuchten mutmaßlich, ihre Vernetzung in Richtung Süddeutschland auszubauen. Sie stellten das einzige Transparent der Demonstration zur Verfügung, während Hofmann als Vorsänger auftrat. Zudem nahm eine um Nils Wagner organisierte Clique mit fünf Personen an der Veranstaltung teil. Die Gruppe bezeichnet sich als Saarpfalzkollektiv und die Mitglieder stammen aus dem Raum zwischen Kaiserslautern und Saarbrücken. Wagner selbst kommt aus Saarbrücken.
Als Ordner fungierte Ulrich Blum, der von Celine Möckel begleitet wurde. Beide reisten aus dem Raum Karlsruhe an und sind in der Alternative für Deutschland (AfD) aktiv. Einen Tag später, am 14. Juni 2026, nahmen sie am Gründungsparteitag der baden-württembergischen Generation Deutschland (GD) in Donzdorf (Landkreis Göppingen) teil.
Die Demonstrationsroute führte durch nahezu menschenleere Straßen einmal um die Pforzheimer Innenstadt. Entlang der Strecke waren wiederholt Parolen wie »CSD lebt« oder »Fuck Nazis« zu sehen. Die vorausgegangene CSD-Demonstration sowie das anschließende Straßenfest blieben von der Neonazidemonstration unberührt. Gleichwohl schaffen neonazistische Proteste dieser Art für Teilnehmende des CSD ein Bedrohungs- und Angstszenario. Am Christopher Street Day beteiligten sich rund 1.500 Personen.
In seiner Abschlussrede zeigte sich Carpinone sichtlich enttäuscht über die geringe Teilnehmendenzahl. Auch der von ihm geäußerte Spruch »Lieber Klasse, statt Masse« konnte den Eindruck nicht überdecken, dass die Mobilisierung hinter seinen Erwartungen zurückblieb.