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26.08.2026

Neonazi-Kundgebung in Staufenberg

Am 26. August 2026 fand in Staufenberg (Landkreis Gießen) eine Kundgebung der Neonazi-Szene statt. Aufgerufen dazu hatten die Partei Die Heimat (vormals NPD) gemeinsam mit ihrer Jugendorganisation Junge Nationalisten (JN). Die Versammlung stand unter dem Titel »Deutschland, Deutschland über alles … – 185 Jahre das Lied der Deutschen«.

Der Text des sogenannten »Deutschlandliedes« wurde am 26. August 1841 vom Dichter Hoffmann von Fallersleben verfasst. 1922 wurde das Lied mit allen drei Strophen zur deutschen Nationalhymne erklärt. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde bei offiziellen Anlässen lediglich die erste Strophe gesungen, gefolgt vom »Horst-Wessel-Lied«, der offiziellen Parteihymne der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Die Bundesrepublik erklärte nach dem Zweiten Weltkrieg ausschließlich die dritte Strophe des Liedes zur Nationalhymne. Insbesondere die erste Strophe des »Deutschlandliedes« besitzt in der Neonazi-Szene einen hohen Symbolgehalt.

Hintergrund der Kundgebung war auch, dass Die Heimat bereits im November 2025 einen Demonstrationszug durch Staufenberg veranstaltet hatte. Nachdem die Teilnehmenden dort alle drei Strophen des »Deutschlandliedes« gesungen hatten, lösten die Sicherheitsbehörden die Versammlung auf. Die Partei klagte daraufhin gegen die Auflösung vor dem Verwaltungsgericht Gießen.

An der Kundgebung am 26. August nahmen lediglich etwa 15 Personen teil, die teilweise überregional angereist waren. Die OrganisatorInnen können mit der Versammlung daher kaum zufrieden sein.

Redebeiträge hielten die hessischen Funktionäre von Die Heimat, Stefan Jagsch aus Altenstadt (Wetteraukreis) sowie Thassilo Hantusch aus Wetzlar (Lahn-Dill-Kreis).

Hauptredner der Kundgebung war der ehemalige Funktionär der Alternative für Deutschland (AfD), Hans Joachim Weber aus Bad Homburg. Weber hatte die Partei im Streit verlassen und ist mittlerweile bei Die Heimat aktiv. In seiner Rede behauptete er, eine angebliche »Migranteninvasion« sei nur »eine von vielen hybriden Kriegsmaßnahmen zur Auslöschung der weißen Kulturvölker Europas, insbesondere der Deutschen«. Wiederholt sprach er von angeblichen »inneren« und »äußeren Feinden«, die das »deutsche Volk« »vernichten« wollten. Alle Deutschen hätten demnach denselben gemeinsamen »Todfeind«.

Unmittelbar vor Beginn der Kundgebung überarbeiteten Weber und Jagsch in seiner Rolle als Versammlungsleiter die Rede. Dabei strichen sie einen Satz, in dem Weber erklärt hätte, dass »die Systemknechte an der Macht sich nicht eine Minute einbilden sollen, sie würden für ihren Verrat am Deutschen Volk überleben.«

Der Neonazi Manuel Mann aus Gladenbach (Kreis Marburg-Biedenkopf) streamte die Versammlung über seinen YouTube-Kanal »Mein Mittelhessen« live ins Netz.

Nach dem zweimaligen Singen des »Deutschlandliedes« mit allen drei Strophen wurde die Versammlung durch die OrganisatorInnen beendet.

Gegen die Kundgebung der Neonazis demonstrierten etwa 150 Personen.