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26.09.2026

Reichsbürger-Versammlung in Darmstadt

Am 26. September 2026 fand in Darmstadt auf dem Karolinenplatz Das große Treffen der 25+1 Bundesstaaten statt. Dabei handelt es sich um ein bundesweites Event der Reichsbürger-Szene. Das Treffen in Darmstadt war das zehnte seiner Art. In der Spitze nahmen bis zu 250 Personen daran teil.

Seit 2023 findet die Veranstaltung mehrmals im Jahr statt. Ziel der Treffen ist es, Gruppen des zersplitterten Reichsbürger-Spektrums aus ganz Deutschland zusammenzuführen. Charakteristisch für die Versammlungen sind zudem Aufzüge mit einem Meer aus Fahnen, Kostümen und Uniformen. Dadurch gelingt es den OrganisatorInnen, einen Ort zu schaffen, an dem die Szene selbstbewusst nach außen treten und Sichtbarkeit im öffentlichen Raum herstellen kann. Der Ablauf der Veranstaltungen ist dabei jedes Mal gleich: Die Treffen beginnen mit einem karnevalesk anmutenden »Einmarsch« der »Delegationen«. Es folgen Rede- und Musikbeiträge sowie ein Aufzug durch die Innenstädte.

Die TeilnehmerInnen gehen davon aus, dass die deutsche Reichsverfassung von 1871 fortbestehe und das Deutsche Reich weiterhin aus 26 einzelnen Bundesstaaten und Fürstentümern bestehe. Die dahinterstehende Ideologie ist antidemokratisch. Zudem wird die Zugehörigkeit zu einem der Bundesstaaten über die familiäre Herkunft festgelegt.

»Erfunden« wurde Das große Treffen der 25+1 Bundesstaaten vom Reichsbürger Frank Meier aus Schwedt in Brandenburg. Unterstützt wird er von einem festen Organisationsteam aus ReichsbürgerInnenn des gesamten Bundesgebiets. Moderiert wird die Veranstaltung regelmäßig von Lars Weinmann, einem bekannten Aktivisten der Szene, der wiederholt in unterschiedliche Reichsbürger-Projekte eingebunden ist.

Auch an dem Treffen in Darmstadt nahmen erneut Mitglieder der Royal Ottoman Society teil. Dabei handelt es sich um einen islamistisch-monarchistischen Verein der türkischen Rechten aus Ludwigshafen, der die Restauration des Osmanischen Reiches zum Ziel hat. Zwischen dem Verein und dem Organisationsteam um Meier besteht eine gefestigte politische Zusammenarbeit. Die AktivistInnen berufen sich dabei auf das Militärbündnis zwischen dem Deutschen Kaiserreich und dem Osmanischen Reich im Ersten Weltkrieg sowie auf das imperialistische Großmachtstreben beider Länder.

Die Leitung der »hessischen Delegation« übernahm die Darmstädterin Jutta Höpp. Zu den bekannten TeilnehmerInnen der Versammlung gehörten zudem der Reichsbürger Wolfgang Burkard aus Lorsch (Landkreis Bergstraße) und die extrem rechte Multi-Aktivistin Marika Hartmann aus Hösbach (Landkreis Aschaffenburg).

Die rechten MedienaktivistInnen Manuel Mann alias Mein Mittelhessen sowie Anita Kraß und Aike Peter von Werra TV streamten die Versammlung und den Gegenprotest live ins Netz. Einen mit den OrganisatorInnen abgestimmten offiziellen Livestream, der professionell aufbereitet war, koordinierte das verschwörungsideologische Medienprojekt Klardenken TV.

Die VeranstalterInnen können mit dem Verlauf des Tages kaum zufrieden sein. An bisherigen Treffen nahmen zwischen 300 und 1000 Personen teil. Mit 250 Teilnehmenden war das Darmstädter »Bundesstaatentreffen« die bislang kleinste Veranstaltung.

An den breiten Gegenprotesten beteiligten sich etwa 1500 Personen. Als sich der Demozug der Reichsbürger-Veranstaltung in Bewegung setzen wollte, blockierten etwa 150 Gegendemonstrant*nnen die Straße. Die Polizei versuchte daraufhin, die Demonstration in die entgegengesetzte Richtung umzuleiten. Nach etwa 400 Metern kam der Zug erneut zum Stehen, da etwa 250 Personen die Straße blockierten. Nachdem die TeilnehmerInnen der Reichsbürger-Demonstration etwa eine Stunde warten mussten, wurden sie durch die Polizei umgeleitet und liefen lediglich eine verkürzte Strecke zurück zum Karolinenplatz.

Das Bismarck-Denkmal auf dem Darmstädter Ludwigsplaz, welche an den ersten Reichskanzler des Deutschen Kaiserreichs Otto von Bismarck erinnert, wurde zudem von Unbekannten mit Farbe bemalt.